Dreschbetrieb - HGV Bürgstadt

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Geschichtliches > Dreschen in Bürgstadt

Dreschbetrieb

Die Zufahrt der Getreidewagen erfolgte über die Große Maingasse von der Mainseite aus in die Dreschhalle.


So sah es zur Erntezeit in der Großen Maingasse aus. Bevor man zum Dreschen dran war, reihten sich die Erntewagen auf.


Das Getreide musste gut getrocknet sein, damit ein guter Ausdrusch gewährleistet war. Zuerst wurde die Wintergerste gedroschen, dann der Roggen und der Winterweizen (Herbstsaat). Danach war die Sommergerste und der Sommerweizen (Frühjahrssaat) an der Reihe und zum Schluss wurde der Hafer gedroschen.

Die Garben wurden von Hand auf die Dreschmaschine gegabelt, wo der "Einleger" für das gleichmäßig Zuführen der aufgeschlitzten Garben sorgte. Diese gefährliche Arbeit durfte nur von bestimmten Personen ausgeführt werden. Auch der Maschinist, der für die Technik der Maschinen verantwortlich war, wurde von den Dreschmaschinenbetreibern gestellt. Das übrige Personal musste von den jeweiligen Dreschkunden gestellt werden.

Am Kopfende der Maschine waren die Säcke angeklemmt, in die die Körner fielen.
Das Stroh wurde im Binder, einer der Dreschmaschine direkt angeschlossene, von ihr mitbetriebene Maschine, zusammengebunden. Bis zum Jahr 1940 wurde für die Strohbindung Sisalschnur verwendet. Ab 1940 bis 1945, also während des Krieges, war diese Schnur nicht mehr zu beschaffen, weshalb billige Papierschnur verwendet wurde, die aber oft zerriß.

Die anfallende Spreu, in Bürgstadt "Sühd" genannt, wurde in schlechten Zeiten auch dem Viehfutter zugegeben.  

Die Siebe in der Dreschmaschine mussten je nach Getreideart gewechselt werden. Roggen und Weizen erforderten gleiche Siebe. Für Gerste und Hafer waren gröbere Siebe (größere Lochungen) erforderlich.

Die Pflege der Maschinen (Abschmieren, kleine Reparaturen etc.) musste in der Erntezeit am Sonntagmorgen ab 05:00 Uhr vorgenommen werden. Da bis Samstagabend bis in die späten Stunden gedroschen wurde, mussten die Maschinen erst abkühlen. In der Nacht zum Montag begann das Dreschen bereits wieder, sodass nur der Sonntag für diese Pflegearbeiten übrig blieb.

Die seit 1908 eingesetzten Elektromotore waren auf einem Wagen mit Verdeck montiert, in dem auch das Bindegarn und die Schmierstoffe gelagert werden konnten.

Größere Getreidebauern droschen im eigenen Anwesen. Die Dreschmaschine wurde mit Pferden oder vom Traktor zum Hof gezogen und dort betriebsbereit aufgestellt. Der Personalaufwand war hier höher, da das Stroh zeitgleich in die Scheune gegabelt und die Körner auf den Speicher getragen werden musste.

In der Kriegs- und Nachkriegszeit kamen zu jedem Dreschen amtliche Kontrolleure die das Gewicht des Dreschergebnisses notierten. In den Lebensmittelmarken wurden die Zuteilungen für Brot und Mehl entsprechend gestrichen. Damit sollte auch dem Tauschhandel Einhalt geboten werden.

Altbürgermeister Anton Fürst (1881-1958) berichtet in seinen Lebenserinnerungen, dass man in der Zeit des 2. Weltkrieges nur Leute zum Dreschen (oder auch anderen ldw. Arbeiten) bekam, wenn man sie in Naturalien bezahlen konnte. 1947 sei die Dreschmaschine auf seinen Hof gekommen, wobei es aber an Leuten mangelte. Man wollte das Getreide sitzen lassen und nur soviel mit dem Dreschflegel dreschen, dass es für die Familie reicht. Die Möbelfabrik Frosch stellte aber dann doch einige Leute ab, sodass er das Getreide mit der Dreschmaschine dreschen konnte.

Wenn in Bürgstadt das Dreschen beendet war, wurde mit der Dreschmaschine nach auswärts gefahren. Da das Getreide im Tal früher reif war, als auf der Höhe, wurde in der Regel der Betrieb Koschwanez in Miltenberg als erster angefahren wurde. Anschließend wurde noch in Höhengemeinden gedroschen, vornehmlich im Geisenhof, in Schippach, Heppdiel und Wenschdorf.

Letzte Änderung: 17.07.2017
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