Dreschhalle - HGV Bürgstadt

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Dreschhalle

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Der Dreschhallenbau

Im Freiem konnte nur bei trockener Witterung gedroschen werden. Nur dann, wenn das Wetter mitspielte, war ein lückenloser Dreschbetrieb während der Erntezeit möglich.
Deshalb wurde am 25. Januar 1928 der Antrag an die Gemeinde gestellt, eine Dreschhalle bauen zu dürfen und Holz für dieses Bauwerk unentgeltlich zu erhalten.

Im Gemeinderatsprotokoll heißt es hierzu:
Gesuch der Dreschgenossenschaft um unentgeldliche Abgabe von Bauholz für Erbauung einer Dreschhalle.
Beschluss: Das Gesuch um unentgeltliche Überlassung von Bauholz zur Erbauung einer Dreschhalle wird abgelehnt, die Dreschhalle wird von der Gemeinde gebaut und verpachtet.

Die Gemeinde hatte also beschlossen, die Halle selbst zu erstellen und dann zu verpachten.

Am 18.4.1928 wurde der Zimmermeister Josef Heß (der selbst eine Dreschmaschine betrieb und auch Gemeinderatsmitglied war) beauftragt, Pläne und Skizzen einzureichen.

Am 18.6.1928 wurde den Handwerkern der Zuschlag erteilt. Den Auftrag für die Maurerarbeiten erhielt Eduard Frosch, für die Zimmerarbeiten Eduard Schwab, für die Schlosserarbeiten Franz Straub, für die Spenglerarbeiten Karl Rügamer und für die Dachdeckerarbeiten Otto Berberich aus Miltenberg. Die gesamten Baukosten beliefen sich lt. Kostenvoranschlag der Gemeinde auf 5.586,44 Mark.

Die Verpachtung der neuen Halle wurde am Montag, den 9.7.1928 vorgenommen.
In der Gemeinderatssitzung vom 3.7.1928 wurde beschlossen, dass die Dreschgenossenschaft einen Platz für die Pacht von 10 M erhält. Die Stromleitung muss auf eigene Kosten gelegt werden. Die Wasserleitung wurde auf Kosten der Gemeinde verlegt, da diese zugleich auch bei zwei geplanten Festen am 22. und 29. Juli 1928 zur Verfügung stehen sollte.

Die neuerbaute Halle sollte aber nicht nur als Witterungsschutz beim Dreschen von Getreide dienen. Im Beschluss vom 29.8.1928 wird erwähnt, dass sie außerhalb der Dreschzeit auch als Schafhalle und zur Aufhängung von Tabak zu nutzen sei.
In diesem Zusammenhang wurde auch die Verlegung der elektrischen Leitung auf Gemeindekosten genehmigt.

Bereits ein Jahr später war die Dreschhalle voll genutzt. Zwei Dreschmaschinen konnten in der Halle aufgestellt werden und eine im Freien. Folgender Gemeinderatsbeschluss lag dem Betrieb zugrunde:

Die Dreschhalle erhalten (für die diesjährige Dreschperiode) um den Preis von M 200 der Dreschmaschinenbesitzer Josef Heß und die Dreschgesellschaft unter der Bedingung, dass nur 2 Dreschmaschinen darin aufgestellt werden. Für die 2. Maschine der Dreschgesellschaft wird der Platz hinter dem Werkplatz der Fa. Holzmann als Dreschplatz angewiesen.
Die Leitung für den elekt. Strom wird von der Gemeinde gelegt. Außerdem ist noch ein 2. Wasserkran in der Mitte der Dreschhalle anzubringen.

Demnach waren also seit der Errichtung im Jahre 1928 Pachtgebühren zu zahlen. Laut den vorliegenden Gemeinderatsbeschlüssen waren dies 200 RM im Jahre 1929, 225 RM im Jahre 1930. 1932 wurde die Pacht auf 150 RM gesenkt, aber gleichzeitig erwartet, dass auch die Dreschlöhne entsprechend gesenkt werden. 1934 wurde die Dreschhalle für die Dreschzeit zu 120 RM und der Motor für 20 RM verpachtet. Im Jahre 1941 wurde beschlossen, dass von der Dreschgesellschaft und auch der Firma Heß ein Pachtpreis von je 100 RM erhoben wird. Da aber die Dreschgesellschaft die Halle länger benutzt als die Drescherei Heß, war von der Dreschgesellschaft 50 RM mehr zu zahlen.

Mit dem Aufkommen der Mähdrescher nach dem 2. Weltkrieg verlor die Dreschhalle ihre ursprüngliche Bedeutung; sie wurde lediglich noch als Unterstellhalle für landwirtschaftliche Fahrzeuge benutzt. Andererseits diente sie in zunehmendem Maß den Ortsvereinen als Festhalle. Besonders mit dem Aufkommen des Bürgstadter Winzerfestes 1965 fand die Dreschhalle eine sinnvolle Nutzung, bis sie 2001 der Umgehungsstraße weichen musste.

Die Halle wurde abgebaut und im Freilandmuseum in Gottersdorf im März 2002 wieder aufgestellt.

Dreschmaschine mit Dampfmaschine in und vor der 1928 erbauten Dreschhalle

Letzte Änderung: 06.09.2017
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