Vor 1879 - HGV Bürgstadt

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Vor 1879

Geschichtliches > Schule > Schulgebäude

Schule, altes Glockhaus bzw. "Gemeindestube" in der Martinsgasse

Pfarrer Johann berichtet, daß die erste offizielle Erwähnung einer "Schule" in Bürgstadt gegen Ende des 16. Jahrhunderts stattgefunden hätte. Beim Bau des neuen Rathauses in den Jahren 1590 bis 1592 sei berichtet worden: "um jene Zeit setzte auch die Schule ein". Die Schule bekam nach dem Rathausbau die bisherige "Gemeindestube" im Glockhaus zugewiesen. Unter diesem Glockhaus sei aber nicht das öfter erwähnte Glockhaus Nr. 8 gemeint, sondern ein älteres Glockhaus. Aus den Akten des Jahres 1563 gehe hervor, daß dieses "Alte Glockhaus", das "länger denn einem Menschen gedenken möchte" der Kirche gehörte, unmittelbar neben dem Pfarrgarten, gegenüber der Martinskapelle, außerhalb der Friedhofsmauer lag, also ungefähr dort, wo heute das Anwesen Philipp Kling (heute Henriette Kling) Nr. 64 (heute Martinsgasse Nr. 15) liegt. In diesem Hause habe damals schon gleichzeitig auch der Dorfschreiber (mit Glöckner in einer Person) gewohnt. Dort sei auch die Gemeindestube gewesen, weshalb man das Glockhaus auch "Gemeinhaus" nannte. In diesem Glockhaus habe also die Schule die Gemeindestube als Schulraum zugewiesen bekommen. Es soll also gleichzeitig Schulhaus und Glockhaus in einem gewesen sein.

1719 sei festgehalten worden: "schola hebetur in veteri curia".
Pfarrer Johann geht deshalb davon aus, daß zu dieser Zeit die Schule längst aus dem alten Glockhaus ausgezogen sei und vermutet, daß diese nur von 1590 bis 1617 dort untergebracht war.

Dieses Haus soll sich aber in einem sehr schlechten Zustand befunden haben. Bereits 1617 soll festgestellt worden sein, daß "Schul- u. Glockhaus nicht mehr bewohnt werden könnte". Das Haus wurde 1746 abgerissen. Mit dem Erlös wurde von der Gemeinde und Kirche das "Albert-Röhrig-Haus Nr. 8" käuflich erworben worden. In dieses Haus sei nun der Glöckner, der zugleich Dorfschreiber war, eingezogen.

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Im Haus gegenüber der Martinskapelle soll die
"Gemeindestube" mit Schulraum gewesen sein.

Mögliche Schule im alten Hofgut in der Martinsgasse

In einem Schriftstück sei der Ausdruck "in veteri curia" ("im alten Hof") erwähnt. Pfarrer Johann führt aus, daß dies mit dem "Chartellhaus", das in den Kirchenrechnungen nach 1617 immer wieder erwähnt wird, wohl identisch sei.

Mit dem "Chartellhaus" sei wohl der "Zehendhof" gemeint, wo gemessen und gewogen wurde. Er gehörte wohl zum "Hofgut" in der Martinsgasse (Heute Anwesen von Eugen Hench, Martinsgasse 10+12 (früher Martinsgasse 93+94)), das damals dem Domkapitel inkorporiert gewesen sei und ganz der Kirche gehörte, aber von der Kirche um 1610 der Gemeinde für die Schule zur Verfügung gestellt worden sei, weshalb sich Kirche und Gemeinde die Kosten geteilt hätten.

Pfarrer Johann geht aber davon aus, daß dies nur ein Provisorium gewesen sei, weil eben das "Schul- und Glockhaus sich als zu klein erwiesen und auch baufällig gewesen sei.


Im ehemaligen Hofgut in der Martinsgasse (heute
Anwesen Eugen Hench) soll zeitweise ebenfalls
ein Schulraum gewesen sein.

Das Glöcknerhaus, Ecke Freudenbergerstr. - Kl. Maingasse

Im Jahre 1901 findet sich folgende Abschrift eines Protokolls von 1746 im Gemeindearchiv:


Dieses Haus war im Volksmund das "Lehrershaus", in
dem fast schon immer Lehrkräfte gewohnt haben. Dort
soll sich früher auch ein Schulraum befunden haben.


Abschrift
Auszug Bürgstadter Gerichts - Protokoll vom 6. Dezember 1746
Präs. Hr.Schultheiß Jakob Fürst
und Gericht.
Demnach das Glockhaus dermaßen Baufällig worden, da solches nicht mehr zu reparieren gewesen, und wußte niemand, wer solchen Bau wiederum herzustellen hätte, auf Nachsuchen aber hat sich endlich in der Repositur auf hiesigem Rath-Hauß ein Vergleich de anno 1531 vorgefunden, Inhalt deßen, daß zwischen Ihr Hochwürden Hr. Pfarrer Leonhard Baumann und Gericht die Sache dahin verglichen wurden, weilen vorbemeltes Hauß ehe dessen der Kirch zwar allein zugehörig gewesen, aber über Mannesgedenken ein zeitlicher Glöckner der Gemeinde auch als Schreiber dabei gedient, so sollen zu solchem Hauß von der Kirch und der Gemeinde künftighin miteinander die Kösten getragen werden.


Als haben ab seiten des Gerichts mit Genehmhaltung Ihre Hochwürden H. Pfarrer Laurentius Fried die Sache überlegt sowohl für die Kirch als der Gemeinde die Kösten zu menachieren providabler zu sein keinen neuen Bau aufzurichten sondern den Platz worauf das alte Glockhauß gestanden wie auch das dazu erforderliche Bauholz miteinander zu verkaufen, sodann den daraus erlößten Kaufschilling an ein anderes schon erbautes anzuwenden, welchem nach des Albert Röhrigs Behausung samt zugehöriger Scheuer im Lauers-End pro 396 fl baar Geld gekauft, und folgendes mit dem Glöckner contrahiert worden, weilen bekannter Maßen bei dem vorherigen Glockhauß niemalen eine Scheuer gewesen, auch diefalls weder die Kirch noch die Gemeinde fernere Beschwerniß auf sich nehmen gemeint sind, so wurde die bei dem dermalen gekauften Hauß befindliche Scheuer exclusive der darunter befindlichen Keller und Platz dem Glöckner und Schreiber Philipp Helmstetter käuflich wiederum überlassen pro 70 fl baar Geld.

Abgeschrieben: Ühlein, Schultheiß
Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Abschrift
Bürgstadt, 4. Februar 1901              Der Bürgermeister                              Elbert

Auch wurden in den Kirchenrechnungen im Jahr 1745 dem Glöckner "wegen unbewohnbaren Glöcknerhauses" ein Hauszins von 3 fl und 45 Kr. gezahlt.

1746 steht dann in den Kirchenrechnungen:

Für den Platz auf dem das alte Glöcknerhaus gestanden ½       41 fl.
Für den Ofen darin                                                                          4 fl.
Für Holz, Ziegel und Lehm                                                              9 fl. 51 Kr.
Die Scheuer beim neu gekauften Glöcknerhaus dem Glöckner käuflich überlassen  35 fl.
Für das neue Glöcknerhaus dem Jörg Albert Uhrig                  198 fl.
Weinkauf dabei                                                                               4 fl.  9 Kr.
Das Haus für Kirche und Gemeinde einzulösen                           1 fl. 12 Kr

Daraus läßt sich eindeutig entnehmen, daß das bisherige Glöcknerhaus, das in der Martinsgasse stand, für 82 Gulden verkauft wurde, wovon die Kirche  41 Gulden erhielt. Beim Kauf des Hauses Nr. 8 im Lauersend wurden dann 198 Gulden aufgewendet, was wiederum der halbe Anteil für die Kirche war und die Gemeinde die andere Hälfte übernahm.

In einer Zusammenstellung der Schulgeschichte eines unbekannten Verfassers vor 1900 ist zu lesen: "daß Pfarrer Grünwald und Lehrer sich 1790 bemühen, daß das 1746 angekaufte Glockhaus Nr. 8, das Kirche u. Gemeinde zugehört, als Schule im Erdgeschoß eingerichtet wird mit Lehrerwohnung im II. Stock u. so zum Schulhaus würde, …, weil das derzeitige Schulhaus Nr. 51 zu klein…"

Anläßlich der Anlegung der Grundsteuerkataster in Bürgstadt im Jahre 1847 wurde die allgemeine Rechtsüberzeugung dahin festgestellt, daß das Haus Nr. 8 seit "unfürdenklicher Zeit" Eigentum des Schulfonds (gemeindlich) sei).

Das Haus wurde im 19. und 20. Jahrhundert immer als das Haus genannt, wo Lehrer wohnten. Auch heute ist es im Volksmund noch das "Lehrershaus". Lehrer Kurt Becker konnte das Haus schließlich käuflich erwerben.

Schule im Torhaus im alten Kirchhof, Hs.Nr. 51

In allen eingangs erwähnten Aufzeichnungen wird als erste Erwähnung ein Eintrag im "Alten Miltenberger Domkellerey Lagerbuch, S. 83,84" aus den Jahren 1441 und 1458 zitiert, wonach das Glöckner- oder Glockhaus "bey der Kirchen" in der Nähe der "kleinen Mayngassen" lag. Bei dem Haus an der "kleinen Mayngassen"  und  "bey der Kirchen" handelt es sich offensichtlich um das Torhaus Nr. 51 im Lauersend. In den Akten wird dieses Haus oft genannt als Dienstwohnung des II. Lehrers.





Im Torhaus, das oft auch "Glockhaus" genannt wurde, befand sich lange Zeit die Schule,
bis 1879 die "neue" Schule, ebenfalls im Kirchhof errichtet wurde.

Pfarrer Johann berichtet, dass das Torhaus im alten Kirchhof, das in vielen Unterlagen und Schriftstücken ebenfalls als "Glockhaus" bezeichnet wurde, sowohl als Schulhaus, wie auch als Lehrerwohnung verwendet wurde.
Das Torhaus sei bei der Erweiterung der Pfarrkirche in den Jahren 1607 und 1608 erbaut worden. Anscheinend war dieses Torhaus aber schon 1728 baufällig. 1728 wurde nämlich das Haus abgerissen und an gleicher Stelle das Torhaus in der jetzigen Form erstellt.
Wichtigster Handwerker bei dem Neubau war der Maurer- und Tünchermeister Philipp Fachslanger aus Miltenberg. Er grub die Fundamente und mauerte sie und das untere Stockwerk auf. Zu diesem Mauerwerk wurden wohl Bruchsteine verwendet, die noch vom Vorgängerbau stammen werden, sowie "gebackene Stein", die der Ziegler Franz Helferich aus Miltenberg lieferte. Helferich erhielt für seine Lieferung, die außerdem noch Kalk und Ziegel umfaßte, etwa 66 ½ Gulden. Bei den durch Maurer Fachslanger ausgeführten Arbeiten wird ausdrücklich die Erstellung der Durchgangsbögen im Untergeschoß erwähnt: "der an der Gass und die zwei anderen". Fachslanger hatte aber auch das Fachwerk auszufüllen und das Dach zu decken. Er erhielt für seine gesamte Tätigkeit im Jahr 1728 etwa 121 ½ Gulden an Lohn und "Lohnnebenkosten"(z.B. Wein). Alles verarbeitete Baumaterial wurde eigens gekauft und verrechnet, z.B. - wie gesehen - Backsteine und Ziegel, aber auch "Stickscheiter" und Stroh zur Erstellung der Fachwerkfüllungen. Der dazu gebrauchte Lehm konnte aus der gemeindeeigenen Lehmgrube geholt werden.

Für die Holzkonstruktion des Fachwerks und des Dachstuhls war der Bürgstadter Zimmermeister Hans Adam Schneider verantwortlich, der hierfür knapp 60 Gulden Lohn und "Lohnnebenkosten" erhielt. Das benötigte Holz, insbesondere das Eichenholz, wurde im Gemeindewald geschlagen, anderes Holz, nämlich "7 Böden Fichtenholz, 22 Pfetten, 200 Bort und 400 kurze Latten" wurden von einem Flößer aus Oberrodach im Frankenwald für fast 80 Gulden gekauft. Das Aufschlagen der Holzkonstruktion und des Dachstuhls ging unter der Leitung des Zimmermeister und unter Mithilfe zahlreicher Handlanger aus der Gemeinde in zwei Tagen vor sich.  


Jahreszahl am Eckbalken
der Westseite des Torhauses.

Danach wurde Richtfest gefeiert, bei dem den Schulkindern Weißbrot ausgeteilt und für sie vom Dachfirst aus Nüsse ausgeworfen wurden. Die Gesamtkosten des Schulbaus im Jahre 1728 beliefen sich auf etwa 530 Gulden. Nicht ganz die Hälfte davon wurde aus dem Erlös eines außerordentlichen Holzeinschlages im Wannenrein finanziert. Offensichtlich war der Schulneubau am Ende des Jahres 1728 noch in einem ziemlich rohen Zustand, denn in der Gemeinderechnung von 1729 finden sich noch Zahlungen für Anstrich und Verputz (wieder durch Fachslanger), sowie Täfelung des Schulsaals und die Anfertigung von Schulbänken. Erst 1730 wurde der kleine heutige Keller ausgegraben und einige kleinere Anbauten für den wohl im Dachgeschoß des Hauses wohnenden Lehrers erstellt, wie (Schweine-) Stall und Backofen.
Pfarrer Johann war der Meinung, daß dieses Haus als neues Glockhaus für die Pfarrkirche gedacht gewesen sei, damit man das alte Schul- und Glockhaus in der Martinsgasse ganz der Schule überlassen konnte.
Der Glöckner sei allerdings nicht in das Torhaus (auch meistens Schulhaus genannt) gezogen, sondern blieb im "alten Glockhaus".
Nach dem Umzug des Glöckners in das Glöcknerhaus Nr. 8 sei das Torhaus als Glöcknerhaus erledigt gewesen. Jetzt habe man es der Schule überwiesen. Die Schule im Torhaus sei also 1746 erstmals eingerichtet worden. Über das Torhaus als Schulhaus sei man aber nicht zufrieden gewesen, weil es eine zu kleine Schulstube hätte und dazu 19 steinerne Treppen, die für Kinder, besonders im Winter zu gefährlich seien.  
Deshalb habe sich 1790 Pfarrer und Lehrer bemüht, das 1746 angekaufte Glockhaus Nr. 8, das Kirche und Gemeinde gemeinsam gehörte, nun als Schule im Erdgeschoß und als Lehrerwohnung im Oberstock einzurichten.


Plan für den Umbau des Torhauses aus dem Jahre 1819
Der Plan wurde aber so nicht verwirklicht.

Das Torhaus sollte dann seinem ursprünglichen Zweck als Glöcknerhaus zugeführt werden, wofür es ja gedacht gewesen sei. Doch habe der im Glöcknerhaus Nr. 8 wohnende Glöckner, der zugleich Gerichtsschreiber war, diesen Plan verhindert.  Lehrer Seltsam berichtet, daß ab 1803 von der fürstl. Leiningischen Regierung vom 18.2.1803 die Änderung getroffen wurde: "Sei nach einberichteten Umständen mit dem gegenwärtig zu vergebenden Glöcknerdienste zugleich der Unterricht für die kleinere Schuljugend in Bürgstadt zu vergeben". Erst von da an sei der Glöckner als II. Lehrer erschienen. Die Wohnung für den II. Lehrer, sowie ein Schulzimmer seien 1803 im Glöcknerhaus eingerichtet worden. Das Schulzimmer lag im oberen Stock, war "ganz geräumig" und dem Glöckner bisher "ganz unnütz".
Das Glöcknerhaus war im Jahr 1803, beim Beginn der Fürstlich Leiningischen Herrschaft alleiniges Eigentum der politischen Gemeinde Bürgstadt. Die ausführliche, amtliche Landesstatistik, die damals aufgenommen worden ist, erwähnt nichts davon, daß der Pfarrkirche irgend welche Rechte daran zustehen. Dagegen wird "eine Behaußung für den Glöckner" ausdrücklich unter den "gemeinen Gebäuden der Gemeinde" aufgeführt.
Im Jahre 1818 wurde dann die Schule im Torhaus umgebaut, wofür lt. Kostenvoranschlag vom 20. Oktober 1818 eine Summe von 1584 Gulden vorgesehen wurden.


Situationsplan vom Torhaus 1858

41 Jahre später, im Jahre 1859 wurde wieder eine größere Renovierung des Torhauses nötig. In den Jahren 1849 bis 1859 wurden im Torhaus durchschnittlich 71 Werktagsschüler und 42 Sonntagsschüler unterrichtet.

Mit Kostenvoranschlag über 2000 Gulden sollte das Torhaus in Richtung Osten angebaut werden. Im Kostenanschlag wurde außerdem festgehalten, daß dieses Torhaus "gegenwärtig nur ein Schulzimmer und die nothdürftige Wohnung des dritten Lehrers enthält".

Es blieb aber bei der Planung für diese Erneuerung bis zum Bau der "neuen" Schule im Kirchhof an der Martinsgasse. Nach dessen Erstellung war das Torhaus nur noch Wohnung für Lehrer.

Die Eigentumsrechte und damit die Baulast am Torhaus waren im 18. u. 19. Jahrhundert öfter strittig. Um diese Meinungsverschiedenheiten endgültig zu regeln, wurde am 14.2.1928 ein Vertrag zwischen der Kirchenstiftung, vertreten durch Pfarrer Martin und der Gemeinde Bürgstadt, vertreten durch den Bürgermeister Anton Fürst geschlossen.

Es wurde folgendes festgelegt:

Die Gemeinde Bürgstadt überläßt der Kirchenstiftung die Besitzungen:
- Plan Nr.   193 - Wohnhaus Nr. 51 mit den Schulzimmern und Stallung zu 0,012 ha
- Plan Nr. 5868 - Acker im innern Sand zu 0,117 ha und
- Plan Nr. 5869 - desgleichen  0,068 ha.
unentgeltlich. Die Erwerberin räumt der Gemeinde Bürgstadt das unentgeltliche Recht ein, das Wohnhaus Plan Nr. 193 als Lehrerwohnung zu benützen, bis die Kirchenstiftung das Haus bei einem Kirchenneubau oder einer Kirchenerweiterung benötigt. Während der Dauer der Benutzung hat die Gemeinde Bürgstadt die Steuern, Lasten und Abgaben, sowie die Unterhaltungspflichten (große und kleine Baulast) zu tragen und das Haus in gutem Zustand zu erhalten. Sollte die Gemeinde das Haus nicht mehr als Lehrerwohnung benötigen, so fällt dieses Benützungsrecht weg.


Im Gegenzug verzichtet die Kirchenstiftung Bürgstadt auf jeden Eigentumsanspruch an dem Grundstück Plan Nr. 11 (Wohnhaus Nr. 8 im Lauersend -Lehrershaus-). Gleichzeitig erklärt die Gemeinde, daß sie keinerlei Eigentumsrechte am Grundstück Plan Nr. 192 (Torhaus) mehr geltend zu machen hat.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Haus nicht mehr als Lehrerswohnung benutzt. 1948 war das Torhaus teilweise als Jugendheim und teilweise als
Bücherei genutzt. Nach dem Umzug der Bücherei im Jahre 1983 in die heutige Bücherei am ehemaligen Pfarrhaus konnte die KJG die Räume im Torhaus alleine benutzen. Im Jahr 1985/86 wurde das gesamte Torhaus gründlich renoviert und wird bis heute als Jugendheim für die KJG aber auch seit 1970 auch als Clubraum für die offene Jugend.

Schule im Rathaus

Pfarrer Johann berichtet in seinem Manuskript, daß in der Zeit, in der das Rathaus gebaut wurde, der Hinweis erwähnt sei: "um jene Zeit setzte auch die Schule ein". Er führt aus, daß bereits in dem Haus in der Martinsgasse nicht nur die Gemeindestube, sondern auch die Schule untergebracht war.
Das Rathaus wurde in den Jahren 1590 bis 1592 erbaut.
Wann in diesem Rathaus erstmals ein Schulraum eingerichtet wurde ist nicht bekannt.

1608 wird in der Kirchenrechnung erwähnt, daß "11 fl 13 alb 4 pf vom alten Rathaus zu dünchen und auszustrichen" und noch "22 alb 4 pf Stoffel Hengen vor Leinöl zum alten Rathaus" ausgegeben wurden. Der Begriff "altes" Rathaus ist sicherlich nicht 10 Jahre nach dem Bau des heutigen Rathauses auf dieses anzuwenden. Hier kann davon ausgegangen werden, daß es sich um die Gemeindestube in der Martinsgasse handelte.

Bei einer Visitation im Jahre 1817 wurde mit einem Schreiben der "Kgl. Regierung des Untermainkreißes - Kammer des Innern" das Ergebnis der Visitation der Gemeinde mitgeteilt.

Darin wird festgestellt, daß die Schulzimmer im Torhaus zu finster sind und die größere Hälfte der Schüler keine Schreibtische hat. Die Kgl. Regierung macht daher in diesem Schreiben den Vorschlag, im "ringsherum "jungen und gesunden Rathhaus" Schulzimmer herzurichten, die Rathsversammlung aber dafür in die bisherige Schule im Glockhaus verlegt werde.
Bereits am 4.12.1817 wird dem Rat der Kostenvoranschlag von Baumeister Weber aus Miltenberg für den Umbau zu Schulzimmern vorgelegt mit einer veranschlagten Kostensumme von 477 Gulden.

1894, ca. 15 Jahre nach dem Neubau der Schule in der Martinsgasse finden sich wieder Pläne für den Umbau der Schulzimmer im Rathaus. Bereits zu dieser Zeit muß also der Neubau in der Martinsgasse wieder zu eng geworden sein.
1895 wurde die Schule im Torhaus wieder umgebaut, sodaß erst 14 Jahre später, im Jahre 1908 der Gemeinderat beschließt:

"IV. Als Schulsaal wird für die 5. Schule ein Raum im Rathaus in provisorischer Weise bis zur Regelung des Schulhausneubaues zur Verfügung gestellt."   Man befaßte sich also bereits wieder, fast 30 Jahren nach dem Schulhausbau in der Martinsgasse, mit einem neuen Schulhausbau.
Aus einem anonymen Brief vom Februar 1914, in dem sich der Schreiber über den damaligen Lehrer Schmitt beschwert, geht hervor, daß Lehrer Schmitt für die Schule im Rathaus (5. Schule = 1. Jahrgang) zuständig war.

Hauptlehrer Seltsam schildert bei seinem Weggang aus Bürgstadt die Geschichte der Bürgstadter Schulen. Er schreibt in Bezug auf die Rathausschule: "Nachdem sich die Schülerzahl fortwährend steigerte, mußte am 1. Oktober 1908 eine fünfte Lehrstelle errichtet werden. Bei Errichtung der 5. Schulstelle ist der seit Erbauung des Schulhauses (1879/80) verlassene Schulsaal im Rathause wieder bezogen worden".



Plan für den Umbau des Rathauses von 1818

 
Auf dem rechten Bild ist der Rathauseingang von innen zu sehen. Das Bild wurde von dem
Maler Jacob Happ im Jahre 1885 gemalt. Dabei ist interessant, daß die linke Tür, an die
sich heute niemand mehr erinnern kann, im Plan von 1894 noch im Grundriß des Rathauses
eingezeichnet ist und mit "Wachstube" betitelt ist. Dies kann nur der Aufenthaltsraum für
den Polizeidiener gewesen sein.




Letzte Änderung: 06.09.2017
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