Geschichte der Dreschmaschine - HGV Bürgstadt

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Geschichte der Dreschmaschine

Geschichtliches > Dreschen in Bürgstadt

© Thomas Hofmann, verfasst im Dezember 2008
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Die Geschichte der Dreschmaschine

Nicht immer erfolgte die Einführung segensreicher Erfindungen auf friedlichem Weg. So kam es 1830/31 in England zu einem Aufstand der Landarbeiter, dem über 400 Dreschmaschinen zum Opfer fielen. Der Unmut der Drescher hatte sich in einem Sturm gegen jene Maschinenart entladen, die ihnen das Arbeiten mit dem Dreschflegel raubte. Dem zumeist von Veteranen aus den napolionischen Kriegen getragenen Aufruhr blieb freilich der Erfolg verwehrt:
19 Aufrührer wurden hingerichtet, 481 als Gefangene nach Australien transportiert.

Um 1785 baute der Schotte Endrew Meikle (1719 -1811) die erste brauchbare Dreschmaschine nach dem sogenannten Schlagleistenprinzip, bei dem das Korn durch auf der Dreschtrommel angebrachter Leisten aus den Ähren geschlagen wird, eine Technik, die übrigens noch bei den heutigen Mähdreschern Anwendung findet. Der von dem Amerikaner Samuel Turner erfundene 1831 erfundene Stiftendrescher arbeitete zwar effektiver, beschädigte jedoch in größerem Umfange die Körner. Während man erstere als Breitdrescher bezeichnet (die Garben werden parallel zur Trommel eingelegt), spricht man bei Stiftendreschern von Langdreschern, d. h. das Getreide wird im rechten Winkel der Trommel zugeführt.
Bis zu dieser Zeit musste aber noch immer buchstäblich die Spreu vom Weizen mittels Windfege oder dergleichen getrennt werden, bis 1834 den amerikanischen Brüdern Pitt der große Wurf gelang: Drusch und Streuabsonderung fanden nun in einer Maschine statt.

Die ersten Dreschmaschinen wurden von Hand angetrieben. Wegen der sehr anstrengenden Arbeit wurden sie mancherorts auch "Schinderhannes" genannt. Größere Anforderungen an Leistung und Qualität machten schon bald eine andere Antriebsart erforderlich. Wieder waren es die Engländer, die auf ihren großen Gütern den Göpel als Kraftmaschine einsetzten. Dabei wurde die Zugkraft von Tieren verwendet, die im Rundlauf eine senkrecht stehende Göpelspindel bewegten, die durch entsprechende Zahnradübersetzungen die erforderliche Arbeitsleistung für ca. 1000 Trommelumdrehungen hervor brachte. In Deutschland fand diese Technik gelegentlich noch bis in die 1920er Jahre Anwendung (bekanntester Hersteller von Göpeln war übrigens Heinrich Lanz/Mannheim).  

Pferdegöpel nach Am Meltzer, 1805 (Wikipedia)

In Bürgstadt gab es im Anwesen der Familie Elbert in der Freudenberger Straße bis in die frühen 30-er Jahre eine solche Göpelanlage.

Im Zuge der Entwicklung von Dampfmaschinen hat sich der Engländer W. Lester ein fahrbares Exemplar (Locomobil) zum Antrieb von Dreschmaschinen patentieren lassen. Unruhen in den 1830-er Jahren hemmten die Verbreitung dieser Antriebsart, konnten sie jedoch insgesamt nicht aufhalten. Mit dem Bau größerer Maschinen war diese Antriebsart solange unentbehrlich geworden, bis sie schließlich von anderen, wie Elektro- und Verbrennungsmotoren, zu Anfang dieses Jahrhunderts abgelöst wurde.

Letzte Änderung: 06.09.2017
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