Mainfähre Bürgstadt - HGV Bürgstadt

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Mainfähre Bürgstadt

Geschichtliches

Die Bürgstadter Mainfähre


Im Jahre 1908 wurde in Bürgstadt die erste Fähre in Dienst gestellt.

Anfang des 20. Jahrhunderts scheiterten in Bürgstadt die Bemühungen, im Zuge des Bahnbaus auf der rechtsmainischen Seite eine Brücke über den Main zu erhalten. Der Gemeinde Bürgstadt wurde von der Kgl. Regierung am 15.6.1905 mitgeteilt, zunächst einen Brückenbaufond anzusammeln und nach teilweiser Eigenfinanzierung ein neues Gesuch einzureichen.

Inzwischen möge man sich durch Anschaffung einer Drahtseilfähre für 9.000 -10.000 Mark behelfen. Dabei ist es dann auch geblieben.
Die Gemeinde Bürgstadt schaffte dann eine Hochseilfähre an, die 1908 in Dienst gestellt wurde.

Aus der Dienstanweisung für den Betrieb der Mainfähre Bürgstadt a/M. liegt folgende Aufzeichnung vor:

Geschichtliches

Die bei km 126,5 neuer Einteilung den Mains befindliche Mainfähre besteht schon seit unvordenklicher Zeit.
Die ersten Nachrichten in den Akten des K.Bezirksamts Miltenberg stammen aus einer »Remonstration» der Fährer Velten und Antoni Helmstetter zu Bürgstadt vom Jahre 1628. Dieser liegt Abschrift eines "Jnstruments" (d. i. notariellen Vertrag) des Michael von Schwarzach "offenbarer Schreiber von Kaiserlicher Gewalt" (d.i.Notar) vom Jahre 1446, in  welchem aufgeführt ist, dass am 10.Mai 1366 die Aeltesten von Bürgstadt öffentlich bekundet hätten "alss lange als's Jhnen gedacht, dass dass Fahr über den Mayn zur Bürgstadt alle weege geerbet hatte von einem Erben auff den andern". Bis zum  Jahre 1892 war nur eine einfache Nachenüberfahrt vorhanden.
Mit R.E.vom 14.XII.1892 Nr. 23431 erhielt die Fahrbrückenverkehrsgesellschaft Bürgstadt die Bewilligung zur Einrichtung einer dem Fuhrwerksverkehr dienenden Ueberfahrtsanstalt, nämlich einer mit Fahrbaum und Ruder betriebenen Fuhrwerksfähre (neben der bestehenden Nachenfähre). Mit R.E. vom 18.Juli 1907 Nr. 18697, wurde der Gemeinde Bürgstadt (als Rechts- und Besitznachfolgerin der obengenannten Gesellschaft) die wasserpolizeiliche Genehmigung zur Errichtung einer Hochseilfähre erteilt.

Die Fähre wurde am 12.10.1907 für 1600 Mark gebraucht erworben. Sie kam von Lengfurt am Main, wo sie wegen eines Brückenbaues nicht mehr gebraucht wurde. Die Firma Schaubach & Graemer aus Coblenz-Lützel hat sie dann hergerichtet und als Hochseilfähre installiert. Im Jahr 1908 wurde dann die Zufahrt zur Fähre mit örtlichen Handwerkern gebaut, damit die Fähre 1908 in Betrieb genommen werden konnte.

Die Fähre erlebte in der Folgezeit eine starke Frequenz durch den gebauten Bahnhof und die Steinbrüche auf der anderen Mainseite. Es war ein gutes Geschäft für die jeweiligen Pächter der Fähre.

Um das Jahr 1923 verschlechterte sich die Situation jedoch zusehends. Wohl war die Fähre noch immer die einzige Verbindung zum anderen Ufer, aber die Rentabilität schwand immer mehr. Häufiger Fährmannwechsel war die Folge. Man drängte sich nicht mehr nach diesem Amt, das bei Wind und Wetter, im Sommer wie im Winter einen ganzen Mann verlangte.

Damals übernahm Altbürgermeister Josef Ullrich das Stakholz aus der Hand seines Vorgängers. Zusammen mit seiner Frau führte er es fünf Jahre lang. Beschwerlich war die Arbeit im Winter, wenn der Main vereist war, die Fähre stillgelegt wurde und der Fährmann seine ganze Aufmerksamkeit darauf verwenden musste, dass ihm die Schollen nicht den Bootskörper zerdrückten. Manche Sturmfahrt wurde zurückgelegt, und am gefährlichsten war es, wenn der Wind aus Südwesten blies. Da hatte der Fährmann zu kämpfen, dass ihm der "Kahn" nicht stromaufwärts trieb.

Einmal riss das Hochseil. Es war mitten in der Nach und die Fähre trieb steuerlos stromab. Alles Rufen blieb ungehört, bis endlich der Stationsvorstand vom Bahnhof Bürgstadt aufmerksam wurde, telegrafisch Alarm gab und über den Bahnhof Miltenberg die Bürgstadter Einwohner verständigte. Im Buschwerk an der Erfmündung fand man die Ausreißerin wieder.

Ein andermal kippte eine Fuhre Tabak beim Auffahren auf die Fähre ins Wasser. Die Aufregung und der Schaden war groß. Oft legte das Fahrzeug in frühester Morgenstunde drüben an, um den einsamen Pater vom Kloster Engelberg überzusetzen, der nach nächtlichem Fußmarsch gerade noch rechtzeitig kam, um bei Trauergottesdiensten seines Amtes zu walten.

1928 übernahm Josef Balles den Fährbetrieb, den er bei Ausbruch des Krieges an den "Mathese Karl" (Karl Helmstetter) übergab. Dieser steuerte kurz vor Kriegsende 1945 seine Fähre auf ihrer letzten Fahrt den Fluss hinab. Die Miltenberger Brücke war vorzeitig in die Luft gesprengt worden und die Bürgstadter Fähre sollte unterhalb der Ankergasse den Übersetzverkehr übernehmen. Sie tat es nicht lange. Deutsche Pioniere machten sie kurz vor dem Eintreffen der Amerikaner "kampfunfähig".

Am 1. November 1946 kaufte Josef Ullrich, inzwischen Bürgermeister von Bürgstadt, eine neue Fähre in der Schiffswerft Erlenbach. Sie kostete 14.000 Reichsmark. Ihr Einsatz stand unter keinem guten Zeichen, denn wenige Wochen später kam es zu jenem schrecklichen Unfall, bei dem ein Todesopfer zu beklagen war. Ein Schweinfurter Lastkraftwagen fuhr auf der Heimfahrt, anstatt beim Rathaus rechts abzubiegen, die Große Maingasse hinunter. Der Fahrer übersah in der nächtlichen Dunkelheit den Anlageplatz der Fähre, überquerte die Fähre und stürzte mit dem Fahrzeug in den Main. Hinter dem Steuer eingeklemmt wurde der Fahrer tags darauf als Leiche geborgen. Der Beifahrer war noch rechtzeitig abgesprungen. Mit Hebewerkzeugen des Kieswerkes Weber wurde das Fahrzeug, das bis über das Führerhaus hinaus ins Wasser gesunken war, geborgen. Auf Grund dieses Unfalls wurde danach eine Schranke vor der Fähre eingebaut.
Im Jahre 1962 wurde die Fähre dann außer Dienst gestellt.

Von der Arbeit eines Fährers wird in folgendem Zeitungsartikel berichtet:

Zu jeder Minute bereit

Der Fährmann muss für alle da sein - Nur im Winter, wenn der Main gefroren ist, hat er ein wenig Urlaub.
Früh, wenn die meisten Leute noch im Bett liegen, ist er schon im Dienst, und abends, wenn die Familien gemütlich in der behaglichen Stube sitzen, hält ihn seine Arbeit, immer noch fest. Und dazwischen liegt ein Tag, der mit stetem Bereitsein und mannigfacher Arbeit ausgefüllt ist. Dabei ist er immer freundlich und zuvorkommend, hat für jeden Kunden ein frohes Wort und ist zu jedem Dienst gern bereit, der Fährmann, der bei Bürgstadt die Leute über den Main setzt.

In einer freien Minute erzählte er uns über seine Tätigkeit und wir konnten Ihn anschließend bei seiner Tätigkeit beobachten.

Wer glaubt, die Tätigkeit des Fährmanns sei mit dem Übersetzen erschöpft, hat sich gründlich geirrt. Gewiss nimmt das einen Hauptteil seiner Arbeit ein. Ein Häuschen hat man ihm in der Nähe des Ufers gebaut, das ein einziges Zimmerchen enthält, von dem aus er einen freien Blick auf den Main und das gegenüberliegende Ufer hat. Es ist genügend weit vom Main entfernt, um aus der normalen Hochwasserzone heraus zu liegen. Eine Bank läuft an einer Längsseite des Häuschens entlang, auf der im Sommer meist ältere Männer, sitzen, die hier bei froher Nachmittagsunterhaltung die Zeit verbringen und dabei allerlei Kurzweil haben, Denn an der Fähre ist immer etwas los.

Alles für einen Groschen.
Da kommt ein Wägelchen mit ein paar Koffern angefahren, ein Ehepaar hinterdrein, das zum Zug will. Da es noch etwas Zeit bis zur Abfahrt ist, werden die Koffer langsam in den Kahn gesetzt und gemächlich drückt der Fährmann sein Schiff mit der Ruderstange hinüber. Drüben trägt er entgegenkommenderweise die Koffer auch noch bis zum Bahnhof. Da läutet auch schon der Zug in Miltenberg-Nord ab, als er seinen Kahn besteigt. In diesem Augenblick kommt drüben jemand ganz aufgeregt zur Fähre gerannt und gestikuliert heftig mit den Armen. An der Reisetasche erkennt man, daß es ein verspäteter Reisender ist, der noch zum Zug will. Jetzt muß sich der Fährmann mit aller Macht gegen seine Ruderstange legen, es eilt, denn bald kommt der Zug, und er will doch auch diesen Mann noch übersetzen. Der Kahn ist noch einen, Meter von der Fähre entfernt, da springt der Fährmann schon heraus, ergreift die Kette, hält den Kahn fest und drängt den Gast hinein. Kaum steht der darin, da stürzt der Fährmann schon an ihm vorbei, rennt zum Ruder, reißt dieses herum und drückt den Kahn ab. Für alle erregten Fragen seines Gastes hat er ein beruhigendes Wort und ist nur darauf bedacht, möglichst schnell das Ufer zu gewinnen. Zwischendurch winkt er mit seinen Armen zum Bahnhof hin, um anzudeuten, daß noch ein Reisender kommt. Das Ufer ist noch nicht erreicht, da fährt schon der Zug von Miltenberg heran. Mit Schreien, Winken und Pfeifen macht sich der Fährmann bemerkbar und der Lokführer sieht es. Auf der vorderen Spitze des Kahns steht der Gast, sobald der Kahn auf den Landesteg zusteuert, springt der hinaus und rennt dem Bahnhof zu, wo er den Zug gerade noch erreicht.

Ketten, Halteseile, Kurbeln
Müde setzt sich der Fährmann in seinen Kahn, um ein paar Minuten auszuschnaufen. Doch schon hupt von drüben ein schwerer Lastzug, der sich auf die Fähre zu bewegt. Und wieder gilt es überzusetzen. Drüben wird der Kahn an die Fähre angehängt, der Lastzug wird auf die Fähre eingewiesen. Ketten werden eingezogen, die Auffahrtrampe hochgedreht, die Halteseile werden an einer Kurbel angespannt, dann stemmt sich der Fährmann mit der Ruderstange gegen das Ufer und drückt sein Fahrzeug ab. Halteseile und Strömung treiben die Fähre über den Fluss, wobei freilich immer wieder an Kurbeln gedreht werden muss, bis mit sanftem Anstoß die Fähre landet. Ein paar Spaziergänger werden noch mit hinübergenommen; doch bevor die Fähre abfahren kann, gibt es eine unfreiwillige Verzögerung: Ein paar Motorschiffe kommen von Oberstrom, ihr Tempo lässt es geraten erscheinen, noch etwas zu warten, damit es keinen Zusammenstoß gibt. - Wehe, wenn solch eine Verzögerung dann ein. tritt, wenn gerade ein verspäteter Reisender zum Zug will.

Fährmann spielt auch Postbote
Drüben steht ein kleines Mädchen und fragt den Fährmann, wann der nächste Zug geht. Eine Frau kommt mit einem Päckchen, das zum Bahnhof gebracht werden soll. Auch das erledigt der Fährmann. Er nimmt ein paar Kleingüter mit die er mit dem Rad ins Dorf fahren muss, und wenn er wieder zu seiner Fähre kommt, warten schon wieder Leute, die übergesetzt werden wollen.

Zwölfpfündiger Hecht
Die wenigen freien Minuten  werden  benutzt, um kleine Reparaturen auszuführen und gelegentlich bleibt noch etwas Zeit für sein Hobby, das Angeln. Meist werden die Angeln aus einem benachbarten Kahn ausgelegt und gelegentlich konnte unser Fährmann schon einen zwölfpfündigen Hecht fangen, der in der Badewanne  ausgestellt, viele Schaulustige anzog.

Mädchen für alles
Abends um 5 Uhr wollen die, Arbeiter die aus dem Steinbruch kommen abgeholt werden. Ein Fahrgast, der übergesetzt wird, bittet ihn, abends um ½ 10 Uhr vom Bahnhof abzuholen, ein kleines Mädchen fragt den Fährmann, ob er nicht die Gänse gesehen habe, die es hüten sollte. Für alles gilt der Fährmann als zuständig. Er setzt im Sommer die Heufuhren über, im Herbst holt er die Trauben, die in der Mainhölle gelesen wurden, am Sonntag in aller Frühe muss er die Wallfahrer übersetzen, die zum Engelberg wollen. Naht ein Hochwasser, dann muss er seine Fahrzeuge sichern. Kaum eine Minute kann er in seinem Häuschen sitzen, immer gibt es Arbeit. Nur wenn der Main zugefroren ist, hat er ein paar Tage Urlaub. All diese Arbeiten sehen sich ganz gut an, wenn schönes Wetter ist. Aber bei Regen oder Schneegestöber muss er ebenso seine Arbeit leisten. Dann zieht der Fährmann seinen Regenmantel an, schlüpft in seine  Gummistiefel und ist auch bei diesem Wetter für alle bereit, Wer aber dankt ihm all seine Mühe ? Die Fahrgäste kommen und gehen und außer dem, Fahrgeld hat kaum einer, etwas für den Fährmann übrig.

Das Fährershäusle
Das Fährershäusle diente lange Jahre dem Fährer als Aufenthaltsraum für die Pausen beim Fährbetrieb.
Bereits bei Errichtung der Hochseilfähre 1907/08 wurde von der Firma Joseph und Anton Hess eine Fährerhäuschen aus Holz für 240 Mark aufgestellt.

In der Gemeinderatssitzung vom 4.3.1936 wurde schlossen, einen Aufenthaltsraum für den Fährer zu errichten, nachdem die bisherige Bretterbude nicht mehr zu gebrauchen war. Die Maurerarbeiten führte Emil Kirchgeßner zu 313,77 RM, die Zimmerarbeiten Josef Hess zu 145,71 RM und die Steinmetzarbeiten Franz Zeller, Miltenberg zu 152,- RM, durch.
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© Thomas Hofmann,
verfasst im Dezember 2008


Letzte Änderung: 02.11.2017
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