Ausstattung - HGV Bürgstadt

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Die Ausstattung der Schulen

Die Ausstattung der Schulen waren der Zeit entsprechend bei weitem nicht so optimal wie heute. Das begann schon beim Beheizen der Schulräume im Winter. Ganz früher, also noch im 18. Jahrhundert mußten die Schüler das Holz zum Beheizen der Schule von Zuhause mitbringen.

In einem Schreiben von 1809 teilt das Bezirksamt der Gemeinde mit, wie man das Holztragen abschaffen könne:
"die unschickliche gewohnheit noch bestehe, das die schuhlkinder das holz scheid weiß zur schule tragen, sollen in zeit 3 tagen gutachtlich anhero berichten, durch welche schickliche übereinkunfft midem schuhllehrer bemelter unschicklicher gebrauch schnell abgeschafft werden könne."

Die Antwort wurde sogleich erledigt, indem auf dem Schreiben vermerkt wurde: "so gleich bericht das dieses schon Mehrere Jahren hier abgeendert worden".

Aber auch später war das Beheizen der Schulzimmer immer ein Problem.
Um die Jahrhundertwende schreibt der Lehrer Josef Schmitt an die Gemeindeverwaltung:
"Die Beheizung des Schullokales ist ungenügend, so daß bei einem strengen Winter eine Gefährdung der Gesundheit der Kinder u. auch meiner Person zu befürchten ist. Obwohl ich in den Vorjahren den Unterricht oft erst um 9 Uhr begonnen habe, war um diese Zeit die Erwärmung des Schulzimmers 4-5°. Erst gegen 10 Uhr zeigte das Thermometer 8-10°. Die schlechten Erwärmungsverhältnisse sind - abgesehen von der ohnedies kalten Lage der Schule - auf den ungünstigen Stand des Ofens und dessen Aufbau zurückzuführen. Das Rohr mündet direkt in den Kamin u. der untere Teil des Ofens, der Sockel, erwärmt sich sehr langsam, so daß nur bei strengem Kohlenfeuer eine Wärmeausstrahlung zu bemerken ist. Die Versetzung des Ofens an eine andere Stelle, ungefähr dahin, wo jetzt der Schrank steht, dürfte Besserung bringen".


Es dürfte sich hier um die Schule im Rathaus gehandelt haben, da Lehrer Schmitt dort unterrichtet hat, wie aus mehreren Schreiben hervorgeht.

Bis zum Januar 1931 mußte das Holz für die Schule auf den Schulspeicher geschafft werden. Bürgermeister Fürst teilt nämlich Oberlehrer Schmitt mit, daß die frühere Holzhalle neben der Schule, die wegen der seinerzeit herrschenden Lebensmittelknappheit in einen Schweinestall umgebaut war, wieder ihrem früheren Zweck, der Aufbewahrung des Schulholzes, zuzuführen. Nachdem dieser Raum auch als Schweinestall nicht mehr benötigt wird, soll der Lehrer denselben räumen.


Aber auch die übrige Ausstattung ließ oft zu wünschen übrig. Regelmäßig bemängeln die Lehrer fehlende Lehrmittel und Schulinventar. Diese Dinge wurden aber auch vom Bezirk öfter überprüft. So schreibt der Bezirksarzt Beltinger am 18.7.1918 u.a.: "Spucknäpfe fehlen und sind in jedem Schulzimmer bequem erreichbar aufzustellen".
Was hat ein solches Gerät mit der Schule zu tun?
Noch in der "Schul- und Lehrordnung" von 1917 für die bayerisch-pfälzischen Volksschulen - im heutigen Saarland etwa das Gebiet des Saar-Pfalz-Kreises - wird unter den notwendigen Einrichtungsgegenständen der Schulzimmer neben Waschschüssel und Handtuch auch der Spucknapf genannt.
 Dieser konnte aus Keramik oder emailliertem Blech sein, wurde mit Sand oder Wasser gefüllt und diente vor allem den Lehrern, aber auch den Schülern, überschüssigen Speichel einigermaßen hygienisch zu entsorgen. Bevor solche Spucknäpfe für den Klassenraum empfohlen und dann vorgeschrieben wurden, spuckte man einfach auf den Boden - und dies recht ausgiebig, denn noch aus früheren Jahrhunderten herrschte die Meinung, daß das Verschlucken des Speichels ungesund sei. Es soll Lehrer gegeben haben, die es beim Spucken zu besonderer Kunstfertigkeit gebracht und aus einigen Metern Entfernung vom Pult aus den Spucknapf sicher getroffen haben.

Seit dem Mittelalter gehört die Tinte zum Betrieb der Schule. Heute ist es kaum noch vorstellbar, daß Tinte für Schüler und Lehrer einmal eine problematische Flüssigkeit gewesen sein soll. Doch wenn man bedenkt, daß es eine Zeit gab ohne Tintenkiller oder wirksame Waschmittel, um Kleckse und Flecken zu entfernen, daß sich die Leute nach irgendwelchen Rezepten ihre Tinte selbst mixen mußten, daß das, was dabei herauskam oft aggressiv oder giftig war, gewinnt man eine Ahnung davon, daß der Umgang mit der Schreibflüssigkeit früher nicht harmlos gewesen ist.
Noch vor hundert Jahren, als in Deutschland Kaiser Wilhelm II. regierte, wurde der Tinte im schulischen Zusammenhang besondere Aufmerksamkeit zuteil.
Das Inserat zu Duve`s Schultinten zeigt, was eine gute Tinte zu bieten hatte: Die Pulverform bot ein geringes Transportgewicht und ermöglichte eine problemlose Lagerung, Wasser als Lösungsmittel war jederzeit verfügbar und billig; der Hinweis auf die übrigen guten Eigenschaften läßt vermuten, daß diese nicht bei allen Tinten anzutreffen waren. Für manche Schüler boten die Tintengefäße immer wieder eine Herausforderung zum Experiment: Ein paar Bröckchen Schulkreide hinein - hervor quoll blauer Schaum, beim Nachsitzen einem unbeliebten Mitschüler ganz klein gerissene Löschblattschnipsel in die Tinte - bei der nächsten Schreibübung blieb garantiert ein Fussel an seiner Federspitze, der einen Klecks verursachte.
In Preußen hatte Ordnung zu herrschen. Deshalb wurden schon 1888 in einem Erlaß grundsätzliche Regelungen für die gewerbsmäßige Tintenherstellung verordnet. 1912 wurde eine amtliche Tintenprüfung mit genauen Richtlinien eingeführt. Diese beginnen: "Die Tinten werden eingeteilt in Urkundentinten (früher Klasse I) und Schreibtinten. Bei letzteren werden unterschieden a) Eisengallusschreibtinten, b) Blauholz- und Farbstoffschreibtinten ..." Eine zu prüfende Eigenschaft lautete: "Die Tinten sollen mindestens vierzehntägige Haltbarkeit im Glase besitzen, d.h. sie sollen nach dieser Zeit weder Blätterbildung noch Wandbeschlag, noch Bodenbelag zeigen."
Um die stählerne Schreibfeder vor Rost zu schützen, gehörte ein Tintenläppchen in jeden Griffelkasten; nach dem Schreiben sollte damit restliche Tinte von der Feder geputzt werden.
Eine neue Tintenzeit brach in der Schule erst an, als später zunehmend Füllfederhalter bei Schülern in Gebrauch kamen. Nachdem ab den sechziger Jahren die alten Schulbänke mit schräger Schreibplatte durch Schultische mit Stühlen ersetzt wurden, hatten auch die eingelassenen Tintengefäße aus Porzellan endgültig ausgedient.
Mit der deutlichen Verbesserung des Schreibgeräts war nicht zwangsläufig eine Verbesserung der Schülerhandschrift verbunden.

Letzte Änderung: 17.07.2017
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