Spar- u. Darlehenskasse - HGV Bürgstadt

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Spar- u. Darlehenskasse

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Die Raiffeisenkasse vormals: Spar- und Darlehenskasse Bürgstadt

Ein Protokoll der Gründungsveranstaltung ist leider nicht mehr vorhanden.
Am 8. Mai 1912 ist jedoch aus dem Vorstandsprotokollbuch der Spar- und Darlehenskasse Bürgstadt folgendes zu entnehmen:

Mit Gott

Bürgstadt, den 8. Mai 1912

Die Vorstandschaft des Spar- und Darlehenkassen Vereins hält heute im Gasthaus Stern  ihre erste Vorstandschaftsitzung ab. Eingedenkt des Wahlspruches der Raiffeisen-Vereine:

"Halb nur hilft dem Armen die Gabe des Reichen
Hilf Ihm daß er sich selbst helfe, und du hilfst Ihm ganz."


gelobt dieselbe den Verein nach Kräften zu fördern zum Wohle der Mitglieder zum Segen des hiesigen Bauernstandes.
Anwesend sind sämmtliche Mitglieder:
Nachdem Herr Vorstand Ludwig Baumann die Erschienenen, sowie H.H.Pfarrer Manger, sowie Herrn Obmann Bretz begrüßt, richtete derselbe beherzigende Worte an die Vorstandschafts Mitglieder, dieselben ermunternd ihre ganzen Kräfte dem jungen Vereine zu widmen.
Nach § 13 Abs. III der Vereinsstatuten ernannte der Vorsitzende Herr Ludwig Baumann den Rechner Anton Fürst zum Protokollführer.
Es wurden folgende Punkte erledigt:
»
1) Besprechung und Verlesung der Vereinsstatuten.
»
2) Besichtigung der Geschäftsbücher
»
3) Festsetzung des Zinsfußes der Spareinlagen, Anlehen, Darlehen & Waarenvermittlung.
Für Spar-Einlagen werden von 5 Mark an 3 ½  % gewährt. Im übrigen gelten die Bestimmungen des Sparbuches. Für Anlehen ohne Kündigung werden 3 ½  %
Für Anlehen auf einhalbjährige 3 ¾ %
Für Anlehen auf einjährige 4 %      gewährt.
Für Darlehen müssen 4 ½ % für Darlehen in lfd. Rechnung 4 ¾ % bezahlt werden.
Waaren welche innerhalb 14 Tagen (2 Wochen) nach Empfang nicht bezahlt werden, müssen mit 5 % verzinst werden.
4) Gewährung von Darlehen (Höchstkredit) ohne Bürgschaft werden nur gewährt bis zur Höhe der Einlage. Darlehen gegen Bürgschaft werden bis zu 500 M gewährt. Mit Zustimmung des Aufsichtsrats bis zu 800 M. Höhere Beträge werden nur gewährt gegen hypotekarische Sicherung oder Hinterlegung von Wertpapieren.
Es folgen in den Punkten 5 - 10 hauptsächlich Beschlüsse über das Warengeschäft.
Sämmtliche Punkte werden einstimmig beschlossen.
Lt. U.
Ludwig Baumann     Willi Elbert
Philipp Meisenzahl    Alois Daßing
Eduard Walter     Anton Fürst, Protokollf.
Dies ist das Gründungsprotokoll der Spar- u. Darlehenskasse Bürgstadt.

Die Vorstandsbeschlüsse der Genossenschaft enthalten in der Folgezeit im wesentlichen die Genehmigung von neuen Mitgliedschaften, die Genehmigung von Krediten, die Bestandsaufnahmen bzw. Bestandsprüfungen und die Vorbereitung der jeweiligen Generalversammlungen.


Im Jahren 1923 und 1924 hatte die Genossenschaft auch unter der damaligen Inflation zu leiden.
Im Beschluß des Vorstandes vom 18. Febr. 1923 wurde festgelegt:
In heutiger Sitzung wurde der Verkaufspreis für 1 Ztr. Schw.Amoniak auf M 65000 das Pfund auf M 700 festgelegt.  ....

In der nächsten Sitzung am 21. Sept. 1924 (es wurde also über 1 ½ Jahre keine Sitzung abgehalten) wurde folgendes protokolliert:
Nachdem durch den verlorenen Krieg in Deutschland die Inflation eingetreten war, durch welche sämtliche Genossenschaften stark in Mitleidenschaft gezogen wurden, welche auch an unserer Darlehenskasse nicht spurlos vorbei ging, sodaß das ganze Vereinsleben lahm gelegt wurde, durch Errichtung der Rentenbank eingedämmt wurde, eröffnen sich auch für unsere Darlehenskasse wieder bessere Aussichten und so findet heute seit dem 18. Febr. 1923 die erste Vorstandschaftssitzung statt. Ein ehrw. Andenken sei auch unserem am 1. Mai d.J. verstorbenen Vorstands Mitglied "Eugen Hofmann" , welches stets für die Intressen des Vereins eintrat und nur allzufrüh seiner Familie und unserem Verein entrissen wurde, gewidmet.
Es wurde beschlossen die Vereinstätigkeit wieder aufzunehmen.
Die ordentliche Generalversammlung soll am Sonntag, den 28. Sept. d.J. Abends um 8 Uhr im Gasthaus zum Greifen stattfinden mit nachstehender Tagesordnung:

Es folgen die üblichen Regularien der Generalversammlung, insbesonders der Genehmigung der Bilanzen für 1922 und 1923 .
Am Beginn des Dritten Reiches, im Jahre 1933/34, mußten auch in der Spar- u. Darlehenskasse Änderungen hingenommen werden. Die Änderungen der Gesetze mußten durchgeführt werden.
Ein Protokoll findet sich am 10. Juni 1934. Unter Punkt 2 wird beschlossen:

2) Gleichschaltung  Wahl des Vorstands Aufsichtsrates und des Rechners. Lt. U.
Und am 21. Juni 1934 wurde beschlossen, daß das Statut auf Grund des neuen Genossenschaftsgesetzes vom 20. Dezember 1933 geändert werden soll. Insbesonders wurde der § 6 Ziffer 3 bezüglich der Haftung der Genossen geändert. Nun galt eine unbeschränkte Haftpflicht für die Verbindlichkeiten der Genossenschaft.

Auch die Kriegsjahre von 1940 bis 1945 gingen an der Genossenschaft nicht spurlos vorüber. Im Vorstandsprotokoll vom 25. Oktober 1944 findet sich u.a. folgender Eintrag:
Vorstand und Aufsichtsrat beschließen einstimmig daß infolge der großen Terrorangriffe und des ständigen Fliegeralarms nicht mehr Sitzungen abgehalten werden als äusserst notwendig.
Am 27. Dezember 1944 beschließt der Vorstand unter Punkt 5:
5. Anstellung eines Vereinsdieners und Sammlers.
Da eine geeignete Person nicht zu finden ist beschließt Vorstand und Aufsichtsrat einstimmig die Sammeltätigkeit bis auf weiteres ruhen zu lassen
.

Nach Ende des Krieges mußte sich auch unsere Genossenschaft den neuen Behörden stellen, bevor weitergearbeitet werden konnte. Im Protokoll vom 19. Februar 1946 findet sich der Eintrag:
1) Geschäftliches
durch Schreiben der Landwehr Miltenberg vom 16.11.45 eingegangen am 19.11.45 wurde durch Entscheid der Militärregierung vom 10.11.45 der Vorsteher Willy Elbert, das Vorstandsmitglied Ludwig Meisenzahl, das Aufsichtsratsmitglied Graßmann Karl und der Rechner Anton Fürst wurde am 4. Dezember 1945 zugelassen. Zufolge Mitteilung der Militärregierung vom 8.II.1946 wurde dem Vorstellungsantrag des Rechners stattgegeben und derselbe als Rechner genehmigt.

Am 10. März 1946 wurde wiederum berichtet:
1) Geschäftliches
durch Schreiben der Militärregierung vom 16. II. 1946 wurde dem Vorstellungsantrag des I. Vorstehers Willy Elbert stattgegeben und derselbe als Vorsteher genehmigt.

Nun konnten die Geschäfte der Genossenschaft wieder normal geführt werden. Am 15. Aug. 1948 wurde beschlossen, daß die Sammelsparkasse wieder aufgenommen wird und als Sammler August Balles aufgestellt wird. In den schwierigen Jahren der Nachkriegszeit wurde begonnen, die Geschäfte der Genossenschaft behutsam zu führen und zu erweitern. Am 29. August 1950 wurde beschlossen, daß der Ankauf einer neuen Schreibmaschine durch Herrn Revisor Merker und dem Rechner am 10. Mai in Würzburg zum Anschaffungspreis DM 361 zugestimmt wird.

Am 13. November 1950 enthält das Protokoll folgenden Eintrag:
1) Bericht des Rechners über den Weltspartag am 30. Oktober 1950. Das Ergebnis war in unserer Genossenschaft infolge der wirtschaftlichen Verhältnisse und in Anbetracht der hohen Steuern (die Steuern sind von den Pflichtigen nicht mehr aufzubringen) ein Jahr mageres. Eingezahlt wurden: DM 602 .

Am 9. Januar 1952 wird folgendes protokolliert:
    Bürgstadt, den 9. Januar 1952
Heute Abend 8 Uhr fand im Vereinsgeschäftszimmer eine gemeinsame Sitzung von Vorstand und Aufsichtsrat statt. Diese Sitzung gilt als die Jahresschlußsitzung f. 1951. Infolge Ausbruch der Maul- u. Klauenseuche waren seit Mitte Oktober 1951 jede größere Ansammlung von Menschen verboten. Es durften keine Tanzmusiken an Kirchweih abgehalten werden. Die Ortsangehörigen verstreuter Gehöfte waren vom Pfarrer vom Gottesdienst dispensiert. Infolge dieser Massnahmen war es auch nicht möglich eine Vorstands- oder Aufsichtsratssitzung abzuhalten. Wie bekannt ist, soll am Samstag den 12. Januar 1952 Bürgstadt wieder für seuchenfrei erklärt werden, da die Seuche seit einigen Wochen nicht mehr aufgetreten ist und die Viehbestände jetzt geimpft sind, (Die Impfung war am Anfang nicht durchzuführen wegen Mangel an Impfstoff) hat Vorstand und Aufsichtsrat eine gemeinsame Sitzung abzuhalten. ....

Zwei Jahre später konnte die Genossenschaft einen Höhepunkt im Vereinsleben erleben. Im Mai 1952 feierte man das 40 jährige Gründungsjubiläum zusammen mit dem Tabakbauverein, der sein 25 jähriges Jubiläum feiern konnte. Verbandspräsident Dr. Horlacher aus München wurde zu der Feier eingeladen. Dr. Horlacher nahm auch an diesem historischen Fest teil, was für die Genossenschaft in Bürgstadt ein großer Erfolg war. Eingeladen waren weiter der Staatsminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Dr. Schlögl, Dr. Meisner Karlsruhe, Direktor Schobert, der 1. Vorsitzende des Bauernverbandes fränk. Tabakbauvereine, Leimberger Oberlandwirtschaftsrat, und Herr Clemm, Geschäftsführer des Pfälzischen Tabakbauverbandes.

Als Festausschuß wurde der gesamte Vorstand und Aufsichtsrat der Genossenschaft bestimmt. Die Verantwortlichen im Tabakbauverein waren ebenfalls fast identisch: Vorstand des Tabakbauvereins war der Rechner Anton Fürst. 2. Vorsitzender des Tabakbauvereins war Aufsichtsratsmitglied Josef Schirmer. Aufsichtsrat Adam Bachmann war Geschäftsführer des Tabakbauvereins Aufsichtsrat Karl Graßmann war ebenfalls Ausschußmitglied im Tabakbauverein.


Das Jubiläumsfest wurde mit einem großen Festzug abgehalten, bei dem viele örtliche Vereine teilnahmen. Die Genossenschaft war vertreten mit einem Wagen, mit einer übergroßen Sparbüchse, den der Sohn des damaligen Rechners, Rudolf Fürst, mit zwei Pferden lenkte. Dr. Horlacher und andere Ehrengäste wurden in Kutschen beim Festzug durch Bürgstadt gefahren. An dieses Fest erinnerten sich die Bürgstadter noch sehr lange.


Am 25. August 1952 vermerkt der Protokollführer im Protokoll, daß am 20. August 1952 in Aschaffenburg eine Zweigstelle der Raiffeisenzentralkasse eröffnet worden ist.

Im Protokoll vom 21. Januar 1953 ist zu lesen:
2) Schulsparkasse, hier Einrichtung. Der Rechner stellt, nachdem die Ausführung der Schulsparkasse vom Spar- u. Darlehenskassenverein übertragen ist und zu befürchten ist, nachdem die Kreissparkasse auch auf diesem Gebiet eine größere Aktivität entwickelt und auch in unserer Gemeinde durch Einführung einer Weihnachtssparkasse Fuß fassen will, mit der Schulsparkasse nicht mehr länger zuzuwarten. Nach mit den Lehrkräften geführten Unterhandlungen, ist mit 70-80 Schulsparern zu rechnen. Nachdem die Lehrergruppe die Sparkarten und Sparmarken ablehnt soll der Verein 70-80 Sparbüchsen anschaffen. Es wird einstimmig beschlossen 80 Stück Sammelbüchsen anzuschaffen.

Am 20. Februar 1953 gedachte der Vorsitzende des Aufsichtsrates Jakob Graßmann dem am 19. Februar 1953 verstorbenen ehem. Aufsichtsratsvorsitzenden Josef Schirmer, der zugleich Lagerhalter in der Genossenschaft war. Der Rechner wurde beauftragt, bei der Beerdigung einen Kranz niederzulegen.
In der Sitzung am 4. März 1953 wurde dann als Lagerhalter Josef Schmitt, Lauersend, bestimmt.

In der Sitzung vom 14. November 1953 wurden erste Gespräche über eine Verschmelzung mit dem 1925 gegründeten Raiffeisen´schen Kreditverein Bürgstadt geführt.
Dazu wird berichtet:
1) Verschmelzung des Raiffeisen´schen Creditvereins mit dem Spar- u. Darlehenskassenverein.
Nachdem der Raiffeisen´sche Creditverein am Sonntag, den 8. November beschlossen hat sich nicht mit uns zu verschmelzen, geht auch die Spar- u. Darlehenskasse allein wie bisher ihren Weg weiter. Der Rechner Anton Fürst erklärt sich bereit auch weiterhin die Vereinsgeschäfte zu führen schlägt aber vor zu seiner Unterstützung und für alle Fälle, die eintreten könnten, Nachwuchs zu haben. Robert Hench, der bei der Volksbank in Miltenberg in der Lehre ist diesen Monat seine Prüfung macht und dessen Lehrzeit im Februar beendet ist als Hilfskraft einzustellen, und denselben zu einem Rechnerlehrgang zu schicken, damit derselbe in die Lage versetzt wird einmal die Genossenschaft zu übernehmen.
Vorstand und Aufsichtsrat stimmen einstimmig zu.
(Zu dieser Zeit war der bisherige Rechner der Spar- u. Darlehenskasse 72 Jahre alt)

In diesem Zusammenhang wurde weiter am 20. Juni 1954 protokolliert:
Von der Raiffeisenkasse wurde der Bankkaufmann Robert Hench zum Rechnerkurs vom 26.4.54 bis 22.5.54 nach Hohenkammer geschickt. Demselben wurde ein Angebot gemacht bei der Buchungsstelle Würzburg einzutreten. Da derselbe in der Raiffeisenkasse als Hilfsrechner eintreten sollte und beim Abgang des jetztigen Rechners die Raiffeisenkasse übernehmen sollte verlangt der Bayr. Raiffeisenverband eine Bestätigung daß die Raiffeisenkasse denselben freigibt. Vorsteher Elbert und der Rechner haben nach reiflicher Überlegung diese Bestätigung gegeben. Vorstand und Aufsichtsrat sind einstimmig einverstanden. Es soll versucht werden eine geeignete Person zu finden, die dann im September zum Rechnerkurs nach Hohenkammer geschickt werden kann.

In der Generalversammlung vom 21. November 1953 wurde beschlossen:
Der "Spar- und Darlehenskassenverein Bürgstadt, eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht" wird in "Raiffeisenkasse Bürgstadt a/M eingegragene Genossenschaft mit unberschränkter Haftpflicht" umbenannt.

Am 20. Juni 1954 wurde ausserdem beschlossen:
3) Vorstand und Aufsichtsrat beschließen einstimmig, für die Genossenschaft ein bankmäßiges Geschäftslokal einzurichten und wird der Rechner beauftragt die notwendigen Schritte beim Raiffeisen-Verband und bei der Zentralkasse zu unternehmen.


Das Geschäftslokal wurde dann im Hause des Rechners Anton Fürst, in der Hauptstraße 19 eingerichtet. Dazu wurde der örtliche Architekt Siemers mit dem Umbau beauftragt. Nach Fertigstellung wurde beschlossen mit dem Rechner bzw. seinem Sohn Rudolf Fürst ein unkündbarer Mietvertrag für 20 Jahre abzuschließen. Weiter wurde beschlossen, daß ein Telefonanschluß beantragt werden soll.

In der folgenden Zeit wurden die Geschäfte im Haus des Rechners Fürst getätigt. Das Verhältnis zum ebenfalls in Bürgstadt bestehenden Raiffeisen´schen Kreditvereins verschlechterte sich zunehmend. Ursache waren größtenteils Mißverständnisse. So wurde berichtet, daß am 25. Oktober 1954 ein Waggon Thomasmehl, der für die Raiffeisenkasse bestimmt war, vom Raiffeisen´schen Kreditverein ausgeladen wurde, weil der Güterbahnhof Miltenberg offensichtlich die falsche Genossenschaft informierte und diese ebenfalls einen Waggon erwartete. Die Angelegenheit konnte nur nach intensivem Schriftverkehr unter Einschaltung des Verbandes bereinigt werden.

Am 18. Mai 1955 wurde lt. Protokollbuch der Brennstoffhandel ins Sortiment des Lagers aufgenommen.

Am 8. Mai 1956 passierte ein ähnliches Missgeschick. Ein vom Raiffeisen´schen Kreditverein erwarteter Waggon Kohlen wurden versehentlich von der Raiffeisenkasse ausgeladen.


Am 19. November 1958 verstarb der Rechner Anton Fürst im Alter von fast 77 Jahren.
In einer Sondersitzung am 24. November 1958 bei der auch Revisor Pommer anwesend war, wurde folgendes protokolliert:

Zu der heute um 20,00 Uhr im Nebenzimmer des Gasthauses "Zum Anker" stattfindenden gemeinsamen Sitzung des Vorstands und Aufsichtsrats wurden sämtliche Mitglieder des Vorstands statutgemäß geladen; sie sind vollzählig erschienen. Außerdem nimmt Herr Revisor Pommer an der Sitzung teil.


Zu Beginn der Sitzung erhoben sich sämtliche Anwesende zu Ehren des am 19.11.1958 verstorbenen Herrn Anton Fürst, der seit 1912 als Rechner der Raiffeisenkasse tätig war und dessen Lebensaufgabe in der Verwirklichung des Genossenschaftsgedankens bestand. Die zahlreichen Kränze bei der Beerdigung bewiesen, wir sehr geachtet und geschätzt Herr Fürst war, so wurden u.a. Kränze niedergelegt von Landrat Dr. Beck, der Gemeinde Bürgstadt, der Raiffeisenorganisation durch Herrn Kreisanwalt Weber, dem Bezirksverband durch Herrn Hyn, Kleinheubach, sämtlichen Fraktionen des Kreistags, voran der CSU, der Raiffeisenkasse Bürgstadt, dem Raiffeisen`schen Kreditverein Bürgstadt, dem Tabakbauverein, dem Turnverein und der Versicherungsgesellschaft Allianz. Herr Fürst war u.a. lange Jahre Bürgermeister, Mitglied des Kreistages, CSU-Vorsitzender von Bürgstadt, Vorstand des Tabakbauvereins, Vorstand der Großberegnungsgenossenschaft und Bezirksverbandsvorsitzender. Als höchste Auszeichnung hat er das Bundesverdienstkreuz erhalten. Für die Tätigkeit bei der Genossenschaft opferte er schon immer viele Nachtstunden. Einen gewissen Höhepunkte stellte noch das im August 1952 von ihm arrangierte Jubelfest dar, bei dem die Raiffeisenkasse 40-jähriges Bestehen, der Kreditverein und Tabakbauverein 25-jähriges Bestehen feierten. Damals war u.a. auch Dr. Horlacher (MdB) anwesend. Es dürfte auch erwähnenswert sein, daß die Angehörigen des im 77. Lebensjahr Verstorbenen ein persönliches Beileidschreiben des Herrn Ministerpräsidenten Dr. Seidl erhielten.
In diesem Zusammenhang wird die Kranzspende genehmigt. Ferner wir gutgeheißen die sofortige Schließung der Kasse bis einschließlich Sonntag, den 23.11.1958 sowie die Einschaltung des Revisors.
Am Montag, den 24.11.1958 wurde der Kassenbestand festgestellt und an Frl. Mayer übergeben. Es waren 5.532.60 DM. Lt. Strazze und Journal ergab sich ein Kassenüberschuß von 3,- DM, der vorher dem Überschußkonto gutgebracht wurde.
Einstimmig beschlossen wir ferner, daß Frl. Mayer, Miltenberg zunächst die Kassengeschäfte erledigen soll. In Anbetracht der Nachholarbeit und der Tatsache, daß ein Fremder die Kunden nicht kennt und nicht weiß, ob ggf. eine Kontoüberziehung oder Kreditüberschreitung ein Risiko bedeutet, ist vorgesehen, dem Rechner des Raiff. Kreditvereins Alfred Meisenzahl, baldmöglichst die Übernahme bzw. Abhaltung der Kassenstunden zu übertragen. Frl. Mayer soll, soweit dann noch erforderlich, die Buchhaltung erledigen, die Zinsen berechnen usw.
Um die Angelegenheit näher zu besprechen, ist vorgesehen, Herrn Meisenzahl zu der morgigen Sitzung zu laden.
....
Soweit das Protokoll anl. des Todes des langjährigen Rechners Anton Fürst.
(Frl. Mayer hat später den VW-Händler Link in Laudenbach geheiratet.)

Die Verantwortlichen der Raiffeisenkasse standen nun plötzlich ohne einen fachkundigen Rechner da, weil man es versäumte rechtzeitig für geeigneten Nachwuchs zu sorgen. Diese Tatsache förderte natürlich die Fusion zwischen den beiden örtlichen Genossenschaftsbanken erheblich. Zum 31.12.1959 wurde dann die Verschmelzung von den Generalversammlungen beider Banken beschlossen.

Letzte Änderung: 17.07.2017
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