Sehenswert

Erkunden Sie nach Ihrem Museumsbesuch doch den Ort Bürgstadt mit seinen historischen Gebäuden! Gerne können Sie sich auch zu Führungen in Form von Ortsspaziergängen oder zu unseren Sehenswürdigkeiten anmelden. Anfrage

Altes Rathaus Bürgstadt

Über dem Haupteingangstor des von 1590 bis 1592 errichteten Renaissancebaus ist  eine  Inschrifttafel aus Sandstein eingelassen, die auch einen Hinweis auf die Finanzierung dieses repräsentativen Neubaus durch die Gemeinde enthält: „war ein heisser sommer heuer, wuchs guter wein sehr teuer“. Das heißt, die Einnahmen aus dem Weinanbau und Weinhandel ermöglichten der Gemeinde den Rathausneubau. Es war wohl die klimatisch bedingte Blütezeit des Weinbaus in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, welches die Finanzierung dieses und anderer Bauvorhaben ermöglichte.

Charakteristisch für das Rathaus sind das hohe Erdgeschoss, die ausgeprägten Gesimse, die besonders schwungvollen Volutengiebel und die Sandsteinumrahmungen sämtlicher Fenster- und Türöffnungen. Die Öffnungen im Erdgeschoss sind alle als Rundbögen gearbeitet, während im Obergeschoss die für die Renaissance typischen zweigeteilten Fenster mit Mittelgewände dominieren.

Die Gewölbehalle des Erdgeschosses besitzt zwei gegenüberliegende Tore, sodass eine  Durchfahrtsmöglichkeit für Fuhrwerke bestand, die landwirtschaftliche Erzeugnisse als Naturalabgaben für die Obrigkeit anlieferten. Nach der Verleihung des Marktrechtes an Bürgstadt  durch den Mainzer Erzbischof Johann Philipp von Schönborn im Jahr 1661 wurde die Gewölbehalle auch als Markthalle genutzt.

Der eigentliche Verwaltungsbereich des Rathauses befand sich im Obergeschoss, das man über eine Wendeltreppe aus Sandstein erreicht. Die nur durch Gewände getrennten vier Fenster gehören zur großen Ratsstube, wo früher die Rats- und Gerichtssitzungen stattfanden und auch heute noch der Gemeinderat tagt.  Besonders sehenswert sind hier die sieben Wappenscheiben aus Buntglas in den Fenstern, die die Wappen der damaligen Obrigkeiten wiedergeben.

Das dreistöckige Dachgeschoss diente als Speicher zur Getreidelagerung und später im 19. Jahrhundert als Trockenraum für den in der Gemeinde angebauten Tabak.


Martinskapelle Bürgstadt

Die Martinskapelle ist im Grunde keine Kapelle, sondern die Ältere von zwei Kirchen, die sich nur einen Steinwurf entfernt gegenüberstehen. Das war wohl auch der Grund, dass man die ältere Kirche zur besseren Unterscheidung „Kapelle“ taufte. Aber beide gehen als Kirchen zweier Grundherrschaften aus dem Mittelalter hervor, ein Phänomen für sich. Die Historie der Martinskapelle dürfte in die spätmerowingische Zeit zurückgehen und ihr Umfeld, die Martinsgasse, bildete die Urzelle unseres Ortes. Wohl aufgrund einer Brandzerstörung des wahrscheinlich hölzernen Vorgängergebäudes entstand die „Kapelle“ um das Jahr 950 neu als steinerner Bau, was eine dentrochronologische Untersuchung von Gerüsthölzern zutage gefördert hat.

Im 13. Jahrhundert durch Brand zerstört, blieb sie gut hundert Jahre ruinös. Ende des 14. Jahrhunderts übernahm die Bürgerschaft die Kapellenruine mit allen Rechten und Pflichten und baute sie als „Frühmesskirche“ wieder auf. Damit fand diese ihre weitere Existenzberechtigung neben der Pfarrkirche, die lange Zeit als Filialkirche der umliegenden Orte, Miltenberg eingeschlossen, fungierte. Etwa um 1490 erhielt die Martinskapelle ihr spätgotisches Portal und die beeindruckende Kreuzigungsgruppe im Chor.

Bald danach war die Kirchengebäude durch Bauern- und Reformationskriege wieder in einem verheerenden Zustand, „ein bös verfallen Werk“. Nach dem Konzil von Trient, als die Gegenreformation auch in Bürgstadt einsetzte und die Pfarrkirche im Jahr 1585 ihre Turmerhöhung erhielt, plante der Pfarrer Bartholomäus Häffner zusammen mit dem Bürgermeister ein weiteres gegenreformatorisches Werk. Die Martinskapelle sollte eine biblia paupera, eine „Arme-Leute-Bibel“ erhalten, die den Gläubigen die Heilsgeschichte in 40 Bilderzyklen anschaulich näherbringen sollte. Zu diesem Zweck wurden 1589 Chor und Kirchenschiff der Martinskapelle erhöht, die Fenster verändert und für die Ausmalung reduziert. Begonnen wurden die Malereien von dem Nürnberger Portraitmaler Andreas Herneisen (Decke und Chor), und nach dem Rathausneubau 1590 konnten die Ausmalungen in Form von 40 Medaillons und dem rätselhaften „Weltgericht“ am Chorbogen von einem unbekannten Künstler im Jahr 1593 beendet werden.

Die vollständige Erhaltung der Ausmalung der Martinskapelle ist von überregionaler kunsthistorischer Bedeutung. Nutzen Sie bei Interesse die Möglichkeit einer in der Kapelle angebotenen Audioführung oder eine Gruppenführung nach Absprache mit dem HGV Bürgstadt.


Alte Pfarrkirche St. Margareta Bürgstadt

Bauherr dieser Kirche, die in direkter Nachbarschaft zur Martinskapelle entstand, war der Mainzer Dompropst, nachdem das Erzstift von Aschaffenburg aus Richtung Süden expandierte und in Bürgstadt seine zweite Basis fand. Zielsetzung war wohl, neben der bestehenden Ortskirche eine neue Kirche als Pfarrkirche für die umliegenden Filialorte zu gründen. Zu diesen Filialen gehörte bis 1522 auch Miltenberg.

Eine Altersbestimmung der romanischen Kirche kann nur der spätere Turm geben. Dieser Turm wurde erst nach 1220, also nach der mainzischen Amtsverlegung von Bürgstadt nach Miltenberg, an der Stelle einer ehemaligen kleinen Apsis an das Langhaus angebaut, was neben den Ecksteinen auch die frühgotischen Elemente im Chorturm zeigen. Von der Wehrhaftigkeit der Kirche mit ihrem großen, ummauerten Kirchhof ist nicht mehr allzu viel zu erkennen, aber es sprechen mehrere Indizien dafür, dass es bei dieser Kirche um eine „Kirchenburg“ mit ehemals drei befestigten Eingängen handelte, wo in kriegerischen Zeiten die Bevölkerung Schutz fand.

Das Domkapitel, in dessen Besitz die Kirche 1351 überging, ließ um 1490 den Kirchenbau mit aufwändigen spätgotischen Portalen und Maßwerkfenstern ausstatten und eine kleine Kapelle am Turm anbauen, die später als Sakristei diente. 1585 wurde der Turm um die Glockenstube erhöht und unter Einfluss des Gegenreformators, des Würzburger Fürstbischofs Julius Echter (1545 bis 1617), mit einer sehr hohen 8-eckigen Turmsspitze, einer sog. „Echter-Spitze“ ausgestattet. Diese sollte von weitem den „wahren Glauben“ der Bürgstadter verkünden, die in den stürmischen Reformationszeiten streng am Katholizismus festhielten, was ihnen wohl den Spitznamen „Kreuzköpfe“ einbrachte.

Im Jahr 1608 wurde das Kirchenschiff nach Norden erweitert, was zur Folge hatte, dass das gesamte Langhaus erhöht werden musste und ein kompletter neuer Dachstuhl nötig war. Die Kapelle verschwand somit in die Seitenwand. Eine gewisse „Asymmetrie“ der Anlage war die Folge. 1749 folgte die Verlängerung des Kirchenschiffs nach Westen. Damit verbunden waren die Niederlegung der Wehrmauer im Westen, die Verlegung des Hauptportals auf die Südseite sowie der Einbau der Empore. Diese Vergrößerung wurde gleichzeitig zum Nadelöhr im Lauersend.
Im Zuge des Umbaus wurde durch den Marktheidenfelder Orgelbauer Conrad Wehr eine neue Orgel eingebaut. Die Innenausstattung stammt fast ausschließlich aus dem 18. Jahrhundert. Die Kommunionbank aus Eichenholz, die 1787 eingebaut wurde, trennt beide Kirchenschiffe vom Bereich der vier barocken Altäre.


Kreuzigungsgruppe im alten Kirchhof

Die Kreuzigungsgruppe aus Sandstein mit ihren lebensgroßen Figuren ist das bewahrte Zeugnis einer der schlimmsten Epochen, die Bürgstadt durchleben musste. Ursache war ein erneuter globaler Temperatursturz während der „Kleinen Eiszeit“ (ca. 1300-1850), der Mitte des 16. Jh. begann und gegen 1600 seinen Höhepunkt fand. Das Wetter spielte verrückt. Extrem trockene Sommer und wochenlanger Dauerregen lösten sich ab und immer wieder erfror nach der Blüte der Wein. Das führte zu Hungersnöten, diese zogen Seuchen nach sich. Schuldige wurden gesucht und gefunden: Die Hexen.
Große Kirchhofkreuze waren damals in Mode, aber die Gemeinde war wegen der gerade überstandenen Pestwelle und der dadurch notwendigen Kirchhoferweiterung finanziell nicht in der Lage, ein solches anzuschaffen. So stiftete der Bäckermeister und Weinhändler Leonhard Schneider, einer der reichsten Männer im Ort, diese Kreuzigungsgruppe unter der Voraussetzung, dass diese gleichzeitig das Grabmal für ihn und seine Gattin Margarete sein sollte. So entstand das Grabmal im Jahr 1613 an diesem Platz. Im darauffolgenden Jahr starb der Bäcker und im Schriftband wurden die Sterbedaten ergänzt: „1614, 2. Februar“. Das Todesdatum seiner Frau fehlt jedoch. Auch ihr Kopf auf diesem Steinrelief wurde abgeschlagen und später ergänzt. Was war passiert?

Bei der ersten Verfolgungswelle 1617-18 wurde Leonhards Witwe Margareta vors Hexentribunal geführt, kam jedoch wieder frei. Bei der zweiten Welle (1617-30) wurde die inzwischen 82jährige als eine der Ersten wieder vors Tribunal geschleppt und am 25. Mai 1617 (Urbanustag) in Miltenberg hingerichtet. Ihre Asche wurde zwischen Tierkadavern verscharrt.

Deshalb fehlt ihr Todesdatum, denn eine Hexe durfte nicht in geweihter Erde bestattet werden.

Noch im gleichen Jahr ereilte ihre beiden Töchter das gleiche Los und zwei Jahre später wurden auch der jüngere Sohn Gabriel und dessen Schwiegersohn hingerichtet. Insgesamt verloren in den beiden Verfolgungswellen achtzig Personen unter grausamsten Bedingungen ihr Leben. Die Hälfte davon waren Männer, was darauf schließen lässt, dass Neid und Missgunst die Ursache ihrer Verfolgung war.

Der Christus-Korpus, die beiden Frontplatten und die linke Seitenplatte sind Reproduktionen; die Originale befinden sich in unserem Museum.

 


Centgrafenkapelle

Auf dem Wannenberg, direkt unterhalb der Westflanke des vorgeschichtlichen Ringwalls, von uralten Eichen umsäumt, befindet sich eine steinerne Ruine, die „Centgrafenkapelle“. Von hier hat der Besucher einen fantastischen Ausblick ins Erf- und Maintal und einen direkten Blick auf Miltenberg. Was hier wie ein zerstörtes Gebäude wirkt, ist in Wirklichkeit eine unvollendete Kirche mit einer interessanten Geschichte.

Mitten im 30-jährigen Krieg gab es einen regelrechten Wettlauf zwischen dem Kapuziner- und dem Franziskanerorden. Schon im Jahr 1620 wurde in Aschaffenburg ein Kapuzinerkloster errichtet, von dem das Bestreben ausging, mainaufwärts weitere Niederlassungen zu gründen. Geplant war ein Kloster in der Stadt Miltenberg, ein weiteres auf dem Engelberg, dessen feierliche Gründung durch den Mainzer Erzbischof Anselm Kasimir im Juni 1630 stattfand. Trotz aller Versuche der Kapuziner, den Franziskanern den Platz in Miltenberg streitig zu machen, konnte im November des gleichen Jahres hier das Franziskanerkloster gegründet werden. Dies konnte gelingen, weil die Franziskaner in dem Centgrafen Leonhard Gackstadt einen besonderen Gönner fanden, der ihnen sein Gartengrundstück in der Vorstadt im Wert von 400 Gulden als Bauplatz schenkte.

Er wurde „erster Syndikus“ des Klosters, d.h. er wurde Verwalter des Klosterbesitzes, da der Bettelorden kein eigenes Vermögen haben durfte.

Gleichzeitig, ebenfalls im Jahr 1630, ging der sehr vermögende Centgraf daran, auf dem Bürgstadter Berg eine Wallfahrtskapelle zu gründen, vielleicht als Konkurrenz zum Wallfahrtskloster der Kapuziner auf dem Engelberg. Wie dem auch sei – die Kapelle konnte wegen der Kriegswirren nicht mehr weitergebaut werden. Schon seit 10 Jahren litt die hiesige Bevölkerung sehr unter den Durchmärschen und Einquartierungen der kaiserlichen Soldaten Tillys, selbst der Gemeindewald musste verpfändet werden, um die Kriegssteuer bezahlen zu können. Beim dem Einfall der Schweden unter Gustav Adolf jedoch wurde ein Weiterbau der Centgrafenkapelle dann ganz unmöglich und musste aufgegeben werden.