Mühlengebäude um 1920
Die Geschichte der Mittelmühle

Aus dem bay. Staatsarchiv Würzburg ist zu ersehen, dass um 1250 in Bürgstadt drei Müller dem Mainzer Kurfürst-Erzbischof als Landesherren zinspflichtig waren. Daraus kann man schließen, dass die Mittelmühle schon damals bestanden hat. Im Jahr 1543 ist der Name „Mittelmühle“ erstmals urkundlich erwähnt und 1567 liest man vom umfangreichen Güterbesitz des Mittelmüllers.
Der erste um 1600 namentlich genannte Müller war Hans Müller aus Weilbach.
Im 17. Jahrhundert gehörte das Anwesen auswärtigen Beamten und Kaufleuten. Unter ihnen war von 1662 bis 1670 der Chemiker und praktische Volkswirt Johannes Daniel Crafft, von dem erstmals Baumaßnahmen gemeldet wurden. Er kaufte einen Platz und errichtete darauf einen Mühlenneubau. Die Mühle wurde damals meist von Pächtern betrieben.
Im Jahr 1688 wurde das Wehr und das Mahlwerk durch ein Hochwasser weggerissen und „von den Fundamenten“ vollkommen neu aufgebaut. Klare Verhältnisse um die Mittelmühle, um Pächter und Eigentümer kamen erst zustande, als ab 1689 der Müller Johann Georg Fertig Eigentümer der gesamten Mittelmühle wurde und sie auch ganz bewirtschaftete.
1697 wurde eine Ölmühle errichtet, die am 29. September 1732 durch das sog. Michelswasser zerstört wurde. Der damals abgetriebene Mühlstein, erkennbar an seinen glatten Rändern, wurde 1993 im Erfufer gefunden und im Rahmen der Hochwasserfreilegung dort aufgestellt.
Nachdem 1861 die Mühle an Adam Brümmer verkauft wurde, errichtete dieser 1874, als die Mühle vollkommen abgebrannt war, einen Neubau. Seitdem verläuft der Mühlkanal durch das Gebäude. An der Ostwand des Mühlkanals hat das damals eingebaute Mühlrad eine Schleifspur von 4 m Durchmesser hinterlassen, die heute nach Sichtbarmachung des Grabens im Museum wieder zu sehen ist.

1885 beantragte Adam Brümmer die Einrichtung einer Schneidsäge, die 1886 in Betrieb ging. Nach einem Brand im Jahre 1901 wurde das 1874 errichtete Gebäude umgebaut und nach Osten hin erweitert. Die Baufuge ist an der Außenwand des Museums deutlich sichtbar.
Anfang des 20. Jahrhunderts übernahmen die Mittelmühle Adam Brümmers Sohn Karl und sein Schwiegersohn Christian Roth. Karl Brümmer betrieb die Ölmühle in der mittleren Mühle und baute in Bürgstadt die erste Stromversorgung auf. Roth, ein gelernter Bierbrauer, legte den Mühlenbetrieb still und richtete eine Brauerei ein. Da nach dem 1. Weltkrieg die wirtschaftlichen Verhältnisse sehr schlecht und die Menschen ausgehungert waren, rechnete sich Roth für das Betreiben einer Mühle große Chancen aus. Also baute er die Brauerei wieder aus und richtete erneut eine Mühle ein. Er muss diese Entscheidung aber bald bedauert haben. Denn 1925 baute er zwei „Franzisturbinen“ in seine Mühle ein und erzeugte Strom, den er der Gemeinde Bürgstadt verkaufte.
1939, kurz vor Ausbruch des 2. Weltkriegs, wurde die Mühle an den Möbelfabrikanten Heinrich Keller verkauft, der vorher seine Werkstatt in der Krummgasse hatte. Heinrich Keller baute die Mühle zur Möbelfabrik um. Etwa 1970 erwarb Günter Dietz die Gebäude für seinen Möbelhandel und auch eine Zoohandlung wurde dort eingerichtet. 1990 ergriff der Markt Bürgstadt die Gelegenheit, das gesamte Areal von der Familie Dietz zu erwerben.
Dieser kurze Abriss zeigt die bewegte und ereignisreiche Geschichte der Mittelmühle. Weitere Einzelheiten über Familienzugehörigkeiten, Pächter und Eigentümer sowie Naturereignisse können in der Veröffentlichung des Heimat- und Geschichtsvereins, Heft 2 „Mühlen und Erf in Bürgstadt“ nachgelesen werden.
Mit dem Umbau der Gebäude zu einem Bürgerzentrum erhielt das alte Mühlengebäude die Funktion eines Museums, welches 1995 eröffnet wurde.